Kontakte
Vor einigen Tagen lernte ich beim Autorentreffen in Nürnberg viele nette Leute kennen (übrigens: im österreichischen Fernsehen gab es einmal eine „Nette-Leit-Show„). Ich fühlte mich wirklich gut aufgenommen und führte mit vielen gute Gespräche, obwohl ich mich für einen schüchternen Typ halte – aber ich arbeite daran (nebenbei – da es sooo schwer ist, sich selbst zu ändern, habe ich versucht, es aufzugeben, andere zu ändern – kein leichtes Unterfangen bei meinem Beruf…).
Ich schwankte immer, ob ich die Kolleginnen und Kollegen mit „Du“ oder „Sie“ ansprechen sollte. Einige lösten mein Problem und duzten mich, was die Unterhaltung aus meiner Sicht lockerer und ungezwungener machte. Wahrscheinlich empfand nur ich die Distanz des „Sie“s, da in Österreich das „Du“ unter Gleichgesinnten häufiger ist.
Sollte ich dem Bild des Alpenländers entsprechen und gleich alle duzen? Wie liefe eine solche Veranstaltung in Österreich ab – falls sie bei uns möglich wäre? Bei einer dienstlichen Fortbildung fragte eine der Referentinnen eingangs, ob jemand dagegen wäre, dass sich alle duzten. Das erinnerte mich an die Standardfrage eines Freundes: „Mag jemand das letzte Brötchen lieber als ich?“
In Großbritannien und den Vereinigten Staaten spricht man sich mit „Ihr“ an, und je nach Status und Beziehung mit „Mylady/Sir“, „Mr./Mrs. Xyz“ oder dem Vornamen. Das verlagert das Problem nur minimal.
Vor 200 Jahren gab es als Anrede nicht nur Du, Sie und Ihr, sondern auch noch die 3. Person Einzahl und den Pluralis Majestatis. Ich wäre wahrscheinlich verzweifelt, die richtige Anrede für das Gegenüber zu finden. Der PM wird übrigens offiziell nur mehr in der katholischen Kirche verwendet. Gut, dass der Papst Deutscher ist…
Eine kleine Anekdote zum Schluss: als ich vom verhaltensauffälligen Knaben zum Akademiker heranreifte, wußte eine Nachbarin nicht mehr, wie sie mich anreden sollte: „Du“ erschien ihr einem „Studierten“ gegenüber unangebracht, aber zum erwachsenen „Sie“ reichte es dank der Erinnerung an meine Jugendstreiche auch nicht; so entschloss sie sich, neutral zu bleiben: „Kann er nicht ein paar Äpfel brauchen?“
Weitere Bericht vom Autorentreffen gibt es übrigens bei Gerrys Schreibblog(gade) und im Autorenforum Montségur.


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