Kreativität
Vor ein paar Tagen hörte ich im Radio einen Teil einer Sendung über Kreativität. Der Psychologe Andreas Fink kann Kreativität im Gehirn orten und stellte fest, dass bei kreativen Leistungen das gesamte Gehirn aktiv wird. Da ich mich in meinem Beruf mit begabten Kindern beschäftige, sah ich hier einen Zusammenhang zur Intelligenzforschung – die übrigens am selben Universitätsinstitut betrieben wird. Die Forschungsgruppe nennt sich differentielle Psychologie und machte wissenschaftlich mit der Taxifahrer-Studie von sich reden, wo sie zeigen konnte, dass intelligente Menschen beim Lösen von schwierigen Problemen ihr Gehirn effizienter einsetzen. Das erhärtet die alte Annahme, dass Intelligenz ohne Kreativität möglich sei, umgekehrt aber nicht. Was machen also Leute, die kreativ arbeiten wollen, sich aber als nicht intelligent betrachten?
Zunächst einmal: Intelligenz ist nicht fixiert, sie kann sich in jedem Alter wandeln. Natürlich wird es immer schwieriger, an seinen Potenzialen zu arbeiten, aber man kann sie selbst im hohen Alter noch verbessern. Sehr erwünschter Nebeneffekt: Dieselben Übungen dienen auch der Vorbeugung von Alzheimer. Was kann man also tun?
- Setzen Sie Ihr Gehirn so oft wie möglich ein. Vermeiden Sie dabei Passivität: Lesen ist besser als Fernsehen, Gehen oder Laufen beim Denken besser als Sitzen. Lernen Sie Ihren Einkaufszettel auswendig. Löschen Sie den Telefonnummernspeicher Ihres Handys. Spielen Sie Sudoku.
- Erfreuen Sie sich daran, wie mühelos Ihr Gehirn lernt: Gedichte, Balladen, Lieder, Fremdsprachen. Selbstmotivation („Intrinsische Motivation“) bringt Sie in den „Flow“, in dem die Zeit wie im Flug vergeht und Sie gar nicht mehr aufhören wollen. Die Wirkung auf den Körper ist ähnlich einer Droge!
- Kombinieren Sie Erfahrungen: Lesen Sie in der Natur, Schreiben Sie an ungewöhnlichen Orten (Flughafen, Schwimmbad). Setzen Sie sich in eine Ausgrabung und stellen Sie sich vor, wie Sie hier vor 2000 Jahren gelebt hätten. Besuchen Sie einen Töpferkurs.
- Träumen Sie! Sollten Sie zu den Leuten gehören, die meinen, nicht zu träumen: Lernen Sie, Ihre Träume festzuhalten. Im Traum kombiniert Ihr Gehirn nicht zusammengehörige Gedächtnisfetzen und löscht danach Verknüpfungen. Holen Sie diese kreativen Produkte bewusst zurück. Verwenden Sie dazu ein Traumtagebuch, das neben Ihrem Bett liegt. Schalten Sie den Wecker ab und lassen Sie sich von Ihren Träumen wecken. Schreiben Sie sie gleich auf.
Natürlich dauern diese Übungen. Nach längerer Zeit (mindestens einige Monate – bei mir stellten sich erste vereinzelte Erfolge nach drei Monaten ein) werden Sie dafür mit einer Fülle an neuen Perspektiven und Mut für Veränderungen belohnt.


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